Maritime Gesangsgruppe für Frauen gegründet

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Ob man es bedauern oder begrüßen soll, kommt auf die Perspektive an. Fakt ist jedenfalls, dass sich einige ebenso resolute wie musikalische Kieler Frauen anschicken, eine weitere Männerdomäne zu erobern.

Vor wenigen Wochen taten sie sich zu den "Förde-Ladies" zusammen, um genauso wie die gewöhnlich allein mit Bässen, Baritonen und Tenören besetzten Shanty-Chöre das maritime Liedergut zu pflegen.

Gerti Locht ist ein typisches Beispiel für die Nöte von Frauen, die eine derartige musikalische Vorliebe hegen. Lange Jahre sang sie in Blumenthal in einem der wenigen gemischten Shantychöre mit, doch als der sich auflöste, war sie plötzlich gesangsmäßig heimatlos. "Es ist ja kaum ein Chor zu finden, der eine Frau nimmt, und wenn doch, nur dann, wenn sie auch einen Mann mitbringt", beschreibt Gerti Locht das Dilemma.

Gut nur, dass mit Brigitte Eichstädt eine Frau auf den Plan trat, die das Problem ganz ähnlich sah und außerdem Erfahrung im Gründen volkstümlicher Musikgruppen hatte.

Schließlich hob die Holtenauerin vor neun Jahren die längst über alle Stadtgrenzen hinaus bekannten Kieler Mundharmonikafreunde aus der Taufe und war aufgrund dieser Erfahrung überzeugt, dass eigentlich nichts gegen eine Wiederholung dieser kleinen Erfolgsgeschichte mit einer maritimen Gesangsgruppe rein für Frauen spreche.

Vor knapp zwei Monaten schmetterten die mittlerweile 20 Ladies die ersten Töne und legten sofort Wert darauf, nicht als weibliche Kopie eines klassischen Shantychores daherzukommen. Die traditionellen Arbeitslieder der Matrosen wollen sie weiterhin den Männern überlassen und sich stattdessen den Songs widmen, die ganz die Sicht der Frauen widerspiegeln.
"Fang' keine Liebe mit Matrosen an", riet einst Liselotte Malkowsky. "Seemann, Deine Heimat ist das Meer", seufzte Lolita. Und Lale Andersen bat so inständig wie erfolglos: "Geh' nicht zurück aufs Meer".

"Wir sind quasi die singenden Seemannsbräute", beschreibt Brigitte Eichstädt die inhaltliche Nische der "Förde-Ladies", die ihren Kehlen bereits nach dieser kurzen Zeit bemerkenswerten Wohlklang entlocken. Was genaugenommen kein Wunder ist, denn die meisten Frauen verfügen über allerhand Erfahrung aus anderen Chören.

(Text und Foto: Kieler Nachrichten Juni 2010)
und ein weiterer schöner Artikel in der KN vom Oktober 2011

 

Einige Links: Kieler Mundharmonikafreunde | Kiel informationen | nord-ton.de | hkmusic.de